Das Haar der Mutter Erde

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Das Haar der Mutter Erde

4. Oktober 2021 Haus & Garten 0

 

Nicht von ungefähr fiel die Wahl der Staudengärtner im letzten Jahr auf die Rutenhirse (Panicum) als Staude des Jahres. Attraktiv, robust und trockenheitsverträglich gehört das Ziergras zu den aktuellen Stars der Gartengestaltung und überrascht immer wieder mit neuen, spektakulären Sorten.
Ihr malerischer Wuchs, ihre Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit haben auch der Gartensegge (Carex) 2015 diesen Titel beschert.

Nachdem Gräser geraume Zeit im Schatten üppig blühender, die Blicke auf sich ziehender Stauden und Gehölze standen, können sie in den letzten Jahren, lange nach dem Tod ihres wohl größten Bewunderers, Karl Foerster, auf eine steile Karriere verweisen. Gräserfreunde wissen warum: Die filigranen Pflanzen, die Foerster liebevoll „Haar der Mutter Erde“ nannte, zählen neben den Gehölzen nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Wuchshöhen und -formen zu den wichtigsten Strukturgebern im Garten und nehmen damit in Sachen Gartengestaltung eine immer wichtigere Rolle ein, bringt des Gärtnermeister Wilhelm Rippel aus Uettingen auf den Punkt.

Pflegeleicht und wandlungsfähig

Er sieht die wandlungsfähigen, gut integrierbaren und dabei pflegeleichten Pflanzen als eine echte Bereicherung für jeden Garten, wenn sie mit ihrem Platz zufrieden sind, denn es gehe nicht in jedem Garten alles, aber ziemlich viel, weiß der Pflanzenprofi. So mag es Pampasgras lieber feucht, während für das Lampenputzergras ein durchlässiger Boden sehr wichtig sei, weil es Staunässe auf Dauer nicht toleriere. Generell seien Gräser genügsam und benötigten nur wenig Dünger. Das für sie Notwendige ziehen sie zum Großteil aus organischem Material, wie Blattwerk oder Rasenschnitt, das in der Erde zu Nahrung umgebaut wird, weiß der Pflanzenfachmann.

Für den besonderen Glamoureffekt

Mit Blick auf die erheblichen Transportmehrkosten ausgewachsener Gräser aus dem Ausland und die dadurch verursachten klimabelastenden Emissionen beziehen vielen deutsche Gärtner ihre Gräser als Jungpflanzen aus dem Mittelmeerraum. In ihren weitläufigen Gärtnereien wachsen sie bis in den Sommer hinein zu mehreren Hundert Quadratmetern wogender Grünfläche heran, um die Gartensaison auf ihre Weise bis ins nächste Jahr zu verlängern. Denn, bis in den Winter hinein, wenn der Blütenzauber im Garten ein Ende hat und die Prachtstauden nach dem ersten Frost ihre Blätter hängen lassen, haben sie, als hätten sie auf Frost und Eis gewartet, ihren großen Aufritt. Mit glitzerndem Raureif überzogen, erfreuen sie uns den ganzen Winter hindurch und verleihen dem Garten nochmals einen Hauch von Glamour, ehe die Frühlingsblüher wieder das Regiment übernehmen. Dann ist es auch für die Gräser Zeit, Kraft zu sammeln, um nach einem starken Rückschnitt und einer eventuellen Teilung selbstbewusst mit Blattschmuckstauden oder Blühwundern in Dialog treten zu können.

Text: Petra Jendryssek Foto: pixabay.com © stux © dinahart (Hochformat)