Gesucht: der richtige Wanderschuh

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Gesucht: der richtige Wanderschuh

10. September 2021 Bildung & Wissen 0

 

Sich an der frischen Luft bewegen, mit der Natur auf Tuchfühlung gehen, neue Perspektiven wahrnehmen, durchatmen und sich unbeschwert und glücklich fühlen – längst hat sich das Wandern, ob in der Ebene oder bergan, zu einer der Lieblingssportarten der Deutschen entwickelt. Ungetrübt wird diese Freude jedoch nur sein, wenn auch die wichtigste Ausrüstung, der Wanderschuh, zum jeweiligen Tourenvorhaben passt, weiß Franz Tarasow vom Würzburger Sportshop aus Erfahrung. Deshalb rät er eindringlich dazu, den Schuh an das Gelände anzupassen, um Gefahr für Leib und Leben in schwierigem Gelände oder gar bei unerwarteten Wetterumschwüngen abzuwenden.

Schuh ist nicht gleich Schuh

Entscheidend bei der Wahl des Schuhs sei in erster Linie der Zweck, für den man den Schuh am längsten verwende, denn Schuh sei nicht gleich Schuh, so der Fachmann für Sportbedarf: „Für die gerade Strecke benötigt man eine andere Ausrüstung als auf dem Weg zum Gipfel.“ Grundsätzlich könne man jedoch sagen: Je extremer die Tour, desto robuster der Schuh.

Der Traditionshersteller Meindl, mit dem Franz Tarasow seit vielen Jahren zusammenarbeitet, hat hier eine Kategorisierung für Wander- und Bergschuhe etabliert, um die richtige Schuhwahl zu erleichtern. Die Kategorie A umfasst leichte Wanderschuhe, meist Halbschuhe, die sich mit flexibler Sohle und gute Dämpfung für den Alltag draußen sowie für kürzere Wanderungen mit leichtem Gepäck auf weitgehend flachen und befestigten Wegen eignen.
In der Zwischenkategorie A/B sind hohe Wanderschuhe, die dem Knöchel Halt geben und mit einer verwindbareren und dickeren Sohle ausgestattet sind, zu finden. Sie eignen sich, so Tarasow, für ausgedehnte Tagestouren oder Touren mit mittelschwerem Gepäck sowie für weitgehend befestigte Wege mit zum Teil deutlichen Anstiegen und streckenweise losem Untergrund.

Der klassische Trekkingschuh ist für mehrtägige Touren geeignet

Der klassische Trekkingschuh mit verwindungssteifer Sohle, dicker und damit dämpfender Zwischensohle sowie hoher Schnürung fällt in die Kategorie B. Geeignet ist er für mehrtägige Touren mit großem Rucksack, bergiges sowie streckenweise unwegsames Gelände.
Schwere Trekkingstiefel für Touren auf unwegsamem, steilem Gelände, auch abseits der Wege, sowie bei eisigem Wetter fallen in die Zwischenkategorie B/C. Eine steife Sohle mit tiefem Profil, sehr hoher Schnürung und stabilem Schaft bieten auch auf Klettersteigen und in höheren Lagen sicheren Halt.
Schuhe der Kategorie C sind steigeisentaugliche Bergstiefel für Touren auf sehr grobem und steilem Untergrund, Eis sowie auf abseits befestigten Wegen. Sie haben ein hohes Gewicht, sehr tiefes Profil und sind aus extrem robustem Material gefertigt. Expeditionsstiefel mit herausnehmbarem, isoliertem Innenschuh und extrem robuster Verarbeitung sind schließlich in der letzten Kategorie D zu finden.

Stabile Gummisohlen sichern den Halt

Durch alle Kategorien hindurch kommt der Sohle in puncto Sicherheit eine besondere Bedeutung zu. Gute Sohlen zeichnen sich durch ihr stabiles Gummiprofil aus, das anders als Plastik bei vielen Straßen- oder Sportschuhen, Rutschpartien verhindern kann, weiß Franz Tarasow und findet es deshalb auch nachvollziehbar, dass deutsche Schuhfirmen ihre selbst entwickelten Profile zum Teil bei namhaften Reifenherstellern aus hochwertigen Kautschukmischungen fertigen ließen. Diese Sohlen können oft aufgearbeitet werden, wenn sie abgelaufen sind, und wissen damit auch in Sachen Nachhaltigkeit zu punkten.

Generell rate Franz Tarasow, den Fuß vor dem Kauf eines Schuhs zu vermessen und eine Ganganalyse vorzunehmen, damit der Schuh optimal an den Fuß angepasst werden könne. Ganz besonders, wenn Handicaps wie Hallux, Fersensporn oder verstärkte Hornhautbildung an den Füßen vorlägen.

Zur eigentlichen Schuhgröße 1,5 Größen hinzuschlagen

Da der Fuß während des Laufens und auch mit vorschreitendem Tag anschwelle und deshalb gerade bei Bergtouren Bewegungsfreiheit brauche, wenn schmerzhafte Reibungen vermieden werden sollen, empfiehlt der Fachmann als goldene Mitte, der bei der Vermessung ermittelten Größe 1,5 Größen hinzuzuschlagen. Menschen, die mehr Gewicht zu tragen hätten, rät der Fachmann generell zu festerem Schuhwerk, das eine bessere Unterstützung biete.

Über die Wahl des Materials entscheide oft der Geschmack. Während Lederschuhe auf Erdtöne begrenzt sind, bieten synthetische Materialien Spielraum in der Farbgestaltung. Für Franz Tarasow jedoch geht nichts über einen guten Lederschuh. Bei regelmäßiger Reinigung und Pflege könne man sich viele Jahre über seinen atmungsaktiven Wanderbegleiter freuen.

Text: Petra Jendryssek Foto: pixabay.com © Willfried Wende