Aischgründer Karpfen: Gebacken oder blau?

Bereits seit dem 8. Jahrhundert werden in Franken Karpfen gezüchtet. Im Zuge dieser Bemühungen entstand auch im Aischgrund eine ausgedehnte Weiherlandschaft, die getragen wurde von adeligen Grundherren und Klöstern, aber auch von städtischen und bäuerlichen Teichwirtschaften. Heute existieren hier über 7000 bewirtschaftete Weiher, von denen aus der Aischgründer Spiegelkarpfen als besondere Delikatesse sogar bis ins Ausland geliefert wird. Inzwischen wurde die traditionelle Karpfenteichwirtschaft zum Immateriellen Kulturerbe erklärt.
Mit seinem Aischgründer Karpfenmuseum hat Neustadt an der Aisch dieser langen Tradition der Teichwirtschaft in den Museen im Alten Schloss ein Denkmal gesetzt. Neben der Geschichte und der Arbeit der Teichwirte im Jahreskreislauf wird hier auch die Ökologie der Teichlandschaft beleuchtet, denn der Lebensraum Teich ist ein faszinierendes Ökosystem, das nicht nur Karpfen eine Heimat bietet. Ein großformatiges Aquarium lässt die Besucher staunen: In ihm bewegen sich lebende Karpfen, Schleien, Edelkrebse und andere Wasserbewohner direkt vor dem Auge des Betrachters. Das Museum lüftet außerdem manches kulinarische Geheimnis. In Monaten mit einem „R“, sprich von September bis April, bestimmt der Karpfen den Speiseplan zahlreicher Gastwirtschaften im Aischgrund, am häufigsten als „Halber Gebackener“, gefolgt von „blau gesotten“. Von der Zubereitung bis zum Verzehr, von historischen Kochbüchern bis zum Fischgeschirr, wird in der Dauerausstellung alles gezeigt, was man über das Karpfen-Essen wissen muss. Wer mag, kann die teils exotischen Rezepte natürlich zu Hause nachkochen.
Museen im Alten Schloss, Untere Schlossgasse 8, Neustadt/Aisch, Telefon: 09161.66 20 905, info@museen-im-alten-schloss.de, www.museen-im-alten-schloss.de
Text: LIT Foto: Andreas Riedel